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BILD von Chevy

Über Chevy

 

Die Visitenkarte eines Hundetrainers ist sein eigener Hund. Das stimmt – denn Hundetraining ist ein Handwerk und sollte sichtbar sein. Aber was ist, wenn der eigene Hund selbst ein Problemhund ist?

Hier muss man unterscheiden: Es gibt Hunde, die von seriösen Züchtern stammen, sorgfältig ausgewählt, perfekt sozialisiert und von Beginn an auf bestimmte Zwecke trainiert wurden – Jagd, Sport, Mantrailing, Agility, Canicross, Obedience, Trickdog oder Dogdance. Manche werden zu professionellen Spür-, Rettungs-, Therapie- oder Assistenzhunden ausgebildet.

Und dann gibt es die anderen: Hunde aus dem Tierschutz, deren Rassenmix man nicht kennt. Oder reinrassige Hunde, die jahrelang falsch erzogen wurden, nie Sozialisation erfahren haben oder Traumata mitbringen.
Und dann gibt es Hunde wie Chevy – Hunde, die von Anfang an „anders“ sind.

Chevys Geschichte

 

Chevy wurde aus einer geplanten Zucht ausgeschlossen, weil sie Fehlverhalten zeigte. Zunächst versuchte man, ihr Aggressionsverhalten „gewaltfrei“ abzutrainieren – ohne Erfolg. Danach kamen andere Trainer hinzu, die mit aversiven Methoden wie Petflasche oder Sprühflasche arbeiteten. Das machte alles nur schlimmer: Chevy reagierte aggressiv und begann, sich zu wehren. Schließlich wurde sie abgegeben.

Im März 2021 – während Corona – starb meine Labradorhündin Kenia, die letzte aus meinem Rudel. Eigentlich wollte ich eine hundefreie Pause einlegen, aber die Leere war zu groß.
Auf einer Problemhunde-Seite fand ich ein Inserat:
„American Bully mit Fehlverhalten – nur an erfahrene Halter, keine Kinder, keine Katzen, keine anderen Hunde.“

Bei der Übergabe fragte ich meine damals 15-jährige Tochter: „Hast du Angst?“
Sie sagte: „Nein. Aber was machen wir, wenn sie ihr Fehlverhalten zeigt?“
Meine Antwort: „Wir lassen uns einfach nicht ablecken.“
(Denn Chevys Attacken kamen nach längerem Lecken – und Bullys lecken gern und viel.)

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Leben mit Chevy

 

Nach Monaten der Beobachtung erkannte ich, dass Chevy in eine Art „Bully-Trance“ verfiel. Das Lecken war bei ihr kein Dominanzverhalten, sondern Ausdruck einer neurologischen Störung.


Meine Katzen lernten schnell, sich gar nicht oder nur kurz ablecken zu lassen – außer Sean, mein einziger Kater. Er kennt das Risiko und geht es freiwillig ein. So konnte ich mit Chevy ein Abbruchsignal trainieren, wodurch die Vorfälle immer seltener wurden.

Chevy brachte außerdem viele weitere Probleme mit: Ängste, Unsicherheit, Alltagsprobleme und – genetisch bedingt – eine umgedrehte Aggression: Sie kann, wenn sie auf andere Hunde trifft, in ihrer Frustration auch gegen mich gehen.

Warum Chevy mein wichtigster Hund ist

 

Warum man sich so etwas antut? Ganz einfach:
Für einen Problemhundetrainer wie mich sind „normale“ Hunde keine echte Herausforderung. Chevy wird vielleicht nie die perfekte „Visitenkarte“ sein, die man frei laufen lassen kann. 
Aber für mich ist sie perfekt geworden – und das beste Beispiel, dass selbst schwerste Fälle wieder in die Spur kommen können.

 

Heute kann ich sie fast überallhin mitnehmen. Sie genießt Streicheleinheiten von Fremden – besonders von Kindern, die ihr früher extrem suspekt waren. Hunde ignoriert sie, solange sie nicht provoziert wird. Ihre Angst vor dem Geräusch einer knacksenden Petflasche bleibt, und ihre neurologische Störung verschwindet nicht – aber selbst hier gab es seit über einem Jahr keinen Vorfall mehr.

Chevy ist für mich der Beweis: Mit Geduld, System und Respekt kann man selbst schwierigen Hunden ein lebenswertes Leben ermöglichen.

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